Stimmen aus der Siedlung

Wer sind die Mieter am Brauhausberg? Warum wohnen wir hier ? Was macht den Brauhausberg so besonders? Und was wünschen wir uns für die Zukunft am Brauhausberg?


Marie-Therese H. :
Ich wohne nun seit einigen Jahren auf dem Brauhausberg. Ich bin zu meinem damaligen Freund gezogen, der ein Zimmer frei hatte. Erst nach und nach habe ich mich auf den Hof getraut und Nachbarn kennen gelernt. Ich finde es schön, dass ich in so eine bunte, herzliche Runde eingeladen wurde. Ich freue mich wirklich, durch Zufall hierhin gezogen zu sein.[spoiler effect=“blind“ show=“weiterlesen…“ hide=“weniger anzeigen“]

Ich wünsche mir, dass dieses Gemeinschaftliche und selbstständige Gestaltende fortbesteht. Ich wünsche mir, dass wir unser Haus kaufen, sanieren und zusammen unsere Träume verwirklichen. Und ich wünsche mir, dass wir in diesem Prozess einander noch besser kennen lernen und zusammenwachsen.[/spoiler]


Ramona F:
Sommer 2004. Das Abi lag gerade hinter uns und die große weite Welt vor uns. Potsdam soll es werden! Raus aus der Kleinstadt hinein ins Studentenleben bzw. erstmal ein bisschen arbeiten. Der Plan war gestrickt. Wir – meine langjährige Schulfreundin und ich – wollten eine WG gründen. Gesagt, getan! Die Wohnungssuche begann. Leider mussten wir schnell feststellen, dass das gar nicht so leicht ist. Jung, wenig Einkommen und dann noch eine WG, nicht gerade die Traum-Mieterinnen. Ok, wir bleiben dran, aber erstmal ging es in den lang geplanten Norwegenurlaub.[spoiler effect=“blind“ show=“weiterlesen…“ hide=“weniger anzeigen“]
In der zweiten Urlaubswoche summte dann plötzlich mein Handy: Mutti schreibt: “Eure neue Adresse ab dem 01.09.2004 lautet: Albert-Einstein-Str. 18 in 14473 Potsdam. Zwei Zimmer, Ofenheizung, 54 m², renovierungsbedürftig.“ Ich begann zu zittern und konnte erst langsam realisieren, was das bedeutet: eine tolle Adresse für angehende Akademikerinnen, dachte ich. Ofenheizung? Ok, das muss mir dann mal jemand erklären. Renovieren? Mach ich. Und wie bitte schön, sind unsere Eltern an diese Wohnung gekommen? Nun ja, es sei einem Zufall verdankt, dass Herr Schröder (damals zuständig) gerade im Urlaub war und seine Vertretung den drängenden Anrufen unserer Mütter nicht widerstehen konnte. “JA, doch ich habe da was in der Albert-Einstein-Str.“ (die Wohnung sollte damals schon nicht mehr vermietet werden aufgrund der bevorstehenden Sanierung…). Und so begann unsere Reise. Wir renovierten, feierten die ein oder andere Party, lernten unsere Nachbarn kennen und waren mehr als glücklich, hier gelandet zu sein.

Herbst 2017. Ich wohne immer noch in der Albert-Einstein-Str. Mittlerweile jedoch ein Paar Hausnummern weiter. Die letzten 13 Jahre sind unglaublich schnell vergangen. Ich habe mein Zuhause gefunden und kann es mir nicht vorstellen, an einem anderen Ort zu leben. Und dann ist da diese Unsicherheit und manchmal auch Angst, dass mein Vermieter keine Rücksicht auf das gewachsene Gefüge dieser Siedlung nimmt und mein Zuhause nachhaltig verändert. Mit schwerem Gerät wird vorgerückt und alles herausgerissen, was nicht mehr dem modernen Standard entspricht. Ich möchte keinen Einheitslook!
Ich will Gemeinschaft und Platz für Freiräume. Ich will, dass unsere Kinder Leben auf den Hof bringen, wir Feste feiern, wie sie fallen und wir Verantwortung für einander übernehmen. Ich möchte eine nachhaltige, ökologische und erhaltende Sanierung unserer Häuser, die die Individualität und die Geschichte der Lebensräume berücksichtigt. Ich will ein Bienenvolk auf den Garagen, Solaranlagen auf den Dächern und Bio Obst und Gemüse aus eigener Produktion. Und ich will, dass meine Miete bezahlbar bleibt auch ohne WBS.[/spoiler]


Caro K. :
Ich bin 2012, dank viel Glück an den Brauhausberg gezogen. Meine erste eigene  Wohnung musste günstig sein. Obwohl ich sehr viel renovieren musste freute ich mich riesig hier gelandet zu sein, trotz der Ofenheizung. Meine Freunde haben alle mit angepackt, gestrichen und Tapete abgerissen.  Meine Eltern haben mir dann gezeigt wie man heizt und mir erst mal einen Kohlenmonoxid Melder geschenkt.
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Schnell habe ich hier etwas gesehen das ich nicht erwartet hätte. Eine offene Nachbarschaft, wie ich sie aus kleinen Dörfern kenne. Der Hof ist der Mittelpunkt des Geschehens. Hier trifft man sich, schaut den Kindern beim Spielen zu und teilt Gartenmöbel, wenn mal gegrillt wird. Wir haben gemeinsam die Hof-Weide gerettet. Und als dann letzen Winter ein Kampfmittelräumdienst den Hof „zerstört“ zurückgelassen hatte, organisierte sich die Nachbarschaft und unser Hof wurde schöner als je zuvor. Irgendwann möchte ich meine eigenen Kinder in diesem Hof umher rennen sehen. Ich wünsche mir Hof-Hühner. Aber vor allem, dass diese Gemeinschaft die es hier gibt, weiter wachsen kann und nicht durch die Sanierung der ProPotsdam verdrängt wird.

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